Sibylle Geiger

Malerin und Kostümdesigner

Sibylle Geiger

Sibylle Geiger wurde in der Schweiz geboren, in einer Stadt, die ein Zentrum der zeitgenössischen Kunst war: Basel. Ihr Vater, ein Arzt, und ihre Mutter, eine Künstlerin, umgaben das junge Mädchen mit einem dichten kulturellen Umfeld und Anregungen aus der Tradition und der Innovation. Sie schenkten ihr Bücher über Botticelli, Michelangelo, Leonardo, führten sie in die Oper zur Zauberflöte, Madame Butterfly und Carmen. Sibylle lernte bald alle wichtigen Arien auswendig und sang sie gerne mit Freunden und Verwandten. Man sagte ihr eine Zukunft als Musikerin voraus, aber mit sechzehn Jahren entschied sie sich zur Einschreibung in der Kunstakademie der Stadt, die damals von den Theorien und Werken von Paul Klee beeinflusst war. Es folgte eine Zeit des künstlerischen und menschlichen Lernens, in der Sibylle ihre Empfänglichkeit für die Kunst nicht nur als Produkt von Ausstellungen, sondern als Eindrücke erfuhr, die über das Umfeld, die Bekanntschaften, Kenntnisse und Unterschiede im Ausdruck vermittelt wurden. Sie war in der Lage, die Zeichen der Zeit und die Welle der Erneuerungen zu erkennen, die das Europa dieser Jahre überschwemmte und den unwiderstehlichen Impuls der Veränderung und der Erkenntnis brachte.

Als sie zwanzig war, ging sie nach Paris, um dort die Schule für Kostüm- und Bühnenbildner zu besuchen, die von den bekanntesten Künstlern der Stadt geführt wurde. Sie schloss neue Freundschaften und begegnete Giacometti, Jean Tinguely und Niki de Saint-Phalle. Sehr bald arbeitet sie mit Yves-Bonnat, dem Bühnenbildner des Balletts Monte Carlo und des Balletts der Champs Elysées. Es ist ihr persönlicher Beginn auf der Bühne, in den intensiven Jahren der Juliette Greco und des französischen Existenzialismus.
In dieser Zeit findet auch ihre erste Reise nach Rom anlässlich einer Ausstellung im EUR statt. Diese Stadt wird das Leben von Sibylle später dauerhaft verändern.

Im Jahr 1952 unterzeichnet sie einen Vertrag mit dem Staatstheater Stuttgart als Assistentin des bereits berühmten Bühnenbildners Gerd Richter. Bald wird sie zu seiner Mitgestalterin für die Kostüme in verschiedenen Theatern Europas, darunter München, Hamburg und Wien und im Jahr 1955 bei der Ausstattung von Mozarts Don Giovanni an der Lindenoper in Berlin Ost.
Aber die freie Aktivität der Künstlerin ohne Mauern und Grenzen fügte sich schlecht in die delikaten politischen Beziehungen zwischen Ostdeutschland und dem damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, einem Verwandten der Familie Geiger. Die aufgezwungene Entscheidung, das Land zu verlassen, bedeutet einen Rückschlag für ihre aufsteigende Karriere. Sibylle schlägt eine Einladung Brechts aus und kehrt nach kurzen Aufträgen in Kassel und Hamburg in die Schweiz zurück.

1956 und 1957 sind arbeitsreiche, aber harte Jahre: Kostümbildnerin am Stadttheater Luzern, Arbeit an Don Carlos von Schiller, Der Barbier von Sevilla, Medea, Iphigenie auf Tauris von Gluck. Sie erweckt das Interesse von Teo Otto, damals Bühnenbildner in Zürich. Sibylle muss sich um alles kümmern: Skizzen, Kostümschneiderei, Atelier, Verwaltung. Im atemlosen Rhythmus einer Premiere alle zehn Tage, zwischen Oper, Komödie, Ballett und Operette. Die Müdigkeit nimmt überhand, und auch die Versuchung, die Welt der Kunst, die Leidenschaft ihres Lebens, zu verlassen.

Es kommt anders: Im Jahr danach trifft sie eine unvergessliche Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts, die Anthropologin, Choreografin und Tänzerin Katherin Dunham. Noch wirken die glänzenden Zeiten überragender Persönlichkeiten wie Josephine Baker und Tamara de Lempicka nach, denen Katherine Dunham an Genie, an Grandeur und an der Lust auf ein Leben voller Exzesse gleichkommt. Während der Europatournée als Kostümassistentin lernt Sibylle aus der Nähe die unerschöpfliche Lebenskraft dieser Ballett-Company kennen, in der Sänger und Tänzer wie Henry Belafonte und Alvin Ailey mitgemacht haben. Eine Erfahrung, der sie eine Fülle von Anekdoten, künstlerischen Anregungen und kreativen Energien verdankt.
Im Jahr 1962 geht sie nach Mailand, wo sie als Bühnenbildnerin in der Compagnia Italiana di Prosa und als Kostümbildnerin für eine Komödie mit Giorgio Albertazzi und Anna Proclemer arbeitet. Im selben Jahr wechselt sie ans Teatro Eliseo di Roma, wo sie in die von Ruggero Jacobbi geführte Nuova Compagnia del Dramma Italiano eintritt.

Die Rückkehr nach Rom markiert auch den Eintritt in die Welt des Films und den Beginn einer neuen künstlerischen Epoche, die bis 1976 dauern wird.
Zwischen der Cinecittà und Spanien lebt Sibylle Geiger im Rhythmus und in der Nähe großer Interpreten eines Genres, das vor allem dank Sergio Leone zu einem in der ganzen Welt anerkannten Kult werden sollte, des sogenannten Spaghettiwesterns. Sie arbeitet mit Regisseuren und Schauspielern wie Alfonso Brescia, Giuliano Gemma, Peter Lee Lawrence, Amerigo Anton, Lucio Fulci und Joaquin Luis Marchent. Zahlreiche Filme drehte sie auch mit dem Spitzenduo der italienischen Filmkomödien, Franco und Ciccio, die Sibylle zu einer wichtigen Adresse im vielfältigen Mosaik des italienischen Filmschaffens jener Jahre machten.

1976 kehrt sie in die Schweiz zurück. In den Bergen rund um Davos, in der Stille und der schwebenden Atmosphäre, die auch schon Kirchner und Conan Doyle in ihren Bann gezogen hatten, beginnt Sibylle zu malen.
Schließlich kehrt sie 1993 ins geliebte Rom zurück, nachdem sie dort den Mann kennengelernt hat, der ihr Ehemann werden sollte.
In der historischen Altstadt von Rom leitet sie drei Jahre lang eine Kunstgalerie, in der sie, auf ihrem eigenen Weg der Malerei gereift, im Jahr 1996 ihre erste Ausstellung eigener Werke auf Leinwand vorstellte.

Seit 2000 lebt Sibylle mit ihrem Ehemann, dem adeligen Römer Rocco Piermattei, in der Toskana, unter den Düften der Pinienwälder und der Brise des Meeres.
Im Jahr 2006 veranstaltet sie zwei Ausstellungen: In Bologna im historischen Circolo Artistico, der ältesten Kunsteinrichtung der Stadt, stellt sie die Zeichnungen für Bühnenbilder und Kostüme ihrer langen Karriere aus, gefolgt von Bildern aus den 1990er-Jahren bis heute.
Im Jahr 2007 wird zur Ehre ihrer Arbeiten und ihrer gesamten Karriere im Castello Pasquini in Castigliocello (LI) unter großer Aufmerksamkeit von Kritik und starkem Besucherandrang eine umfassende Retrospektive im Rahmen einer Initiative für die sogenannten "minderen Künste" veranstaltet.
Im April desselben Jahres erhält sie in Sasso Marconi (BO) von der Stiftung Gugielmo Marconi den jährlich verliehenen Preis Arte e Scienza für die Sparte Theater.

Im Jahr 2009 errichten Rocco und Sibylle gemeinsam die Stiftung Hermann Geiger, benannt nach dem großen schweizer Apotheker und Unternehmer, dem Großvater väterlicherseits von Sibylle. Auch aus diesem Grunde ist das Logo der Stiftung das Symbol der Stadt Basel. Diese Institution mit dem Sitz in Cecina hat zum Ziel, die Kultur des Friedens, das Wissen und die Kunst zu verbreiten, den ethischen und interreligiösen Dialog über nationale und soziale Grenzen hinweg zu fördern, die Initiativen zugunsten der sozialen Entwicklung zu unterstützen sowie Projekte zur Ausbildung und Verbreitung des Wissens zu entwickeln.

NOTE! This site uses cookies and similar technologies.

If you not change browser settings, you agree to it. Learn more

I understand

Navigation data - log files

The computer systems and applications dedicated to the operation of this web site collects, during their normal operation, some data (whose transmission is implicit in the communication protocols of the Internet) is not associated with users directly identifiable. Among the data collected includes IP addresses and domain names of computers used by users who connect to the site, URI (Uniform Resource Identifier) ??of requested resources, time of request, the method used to submit the request to the server, the size of the file obtained in reply, the numerical code indicating the status of the reply given by the server (successful, error, etc..) and other parameters regarding the operating system and the computer environment used by User. These data are processed for the time strictly necessary for the sole purpose of obtaining anonymous statistical information on the site and to check its proper functioning.

Data voluntarily supplied

The voluntary and explicit e-mails to the addresses indicated in the different channels of access to this site and the compilation of the "form" (electronic forms) designed specifically involve the subsequent acquisition of the sender and data / user needed to respond to requests made and / or provide the requested service. Specific summary information will be reported or displayed on web pages dedicated to particular services on request.

Cookies

Are not used in any way computer techniques for the direct acquisition of personal identification data. The so-called Session cookies, once the connection to the website is not preserved.
Our computer systems do not use:
- Cookies to transmit information of a personal nature
- Persistent cookies of any kind